Grafenau am Nationalpark bayerischer Wald

Die Goldhaubengruppe

Die goldene Krönung einer alten Tradition 

Eine Frau oder ein Mädchen in einer Goldhaubentracht zu sehen, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein glänzendes Erlebnis. Auf ihrem Kopf thront eine in Handarbeit gefertigte Goldhaube, die perfekt mit dem Festkleid aus Seide, der passenden Handtasche, dem Spitzenschirm, den Stuzln genannten gehäkelten Halbhandschuhen, dem Biedermeiersträußchen und dem Wiener Schal harmoniert – als Ensemble eine der schönsten und teuersten Trachten überhaupt.

 

Seit 1998 hat sich die Goldhaubengruppe Grafenau dieser besonderen Tracht verschrieben und trägt sie zu besonderen Anlässen wie religiösen Feiertagen, Festaufzügen oder Empfängen der Stadt Grafenau. Damit pflegen die Goldhaubenfrauen eine Tradition, die sich zwischen 1800 und 1820 von Linz ausgehend entlang der Donau, der Rott, des Inns, der Salzach und der Enns auch im unteren Bayerischen Wald ausbreitete. Getragen wurde sie zudem in deutschsprachigen Städten wie Krummau genauso wie in der Steiermark, in Kärnten und in Istrien. Eine Tradition, die seit Oktober 2015 als immaterielles UNISCO-Weltkulturerbe geschützt ist.

 

Damals wie heute ist die Herstellung einer Goldhaube mit einem immensen Arbeitsaufwand verbunden: 400 bis 600 Stunden braucht es, bis aus einem 16 auf 116 Zentimeter großen Band aus vergoldeten Baumwollfäden eine fertige Goldhaube entsteht. Früher wurde das Handwerk des Goldhaubenstickens von Putz- und Haubenmacherinnen ausgeübt. Derartige alte, wertvolle Hauben und Tücher befinden sich auch heute noch bei einigen Grafenauern im Familienbesitz.

 

Die Hauben der heutigen Grafenauer Goldhaubenfrauen wurden von ihnen in Stickkursen mit großer Ausdauer und viel Fleiß selbst gefertigt. Mit Hilde Steininger aus Julbach in Oberösterreich hatten sie dabei eine erfahrene und geduldige Kursleiterin an ihrer Seite. Das vergoldete Band stammte aus der Weberei Moser in Wegscheid.

 

Die Fertigung einer Goldhaube beginnt mit dem Einspannen des Bands in einen Stickrahmen, um es mit Stickmotiven zu verzieren. Dabei kann man zwischen überlieferten Motiven aus alten Mustervorlagen wählen oder sich ein eigenes Muster entwerfen – keine Goldhaube gleicht der anderen. Beliebt sind allerdings Sonnen, Glocken, Lebensbaum, Ähren, Weintrauben und Ranken als Hauptmotive sowie Blumen, Blatt- und Früchtemuster am unteren Rand. Sehr oft wird auch der „Wellenlauf“ oder der „laufende Hund“ gearbeitet. Gestickt wird mit Bouillon, Flinserln, Pailletten, Goldperlen und Goldfolien. Danach wird das Band vom Stickrahmen genommen und auf ein baumwollumwickeltes Eisendrahtgestell aufgezogen. Es werden die Flügel gestaltet und der Knauf angenäht. Der krönende Abschluss ist das Setzen der schwarzen Bauwollspitze an die Flügelenden der Goldhaube. Für diese mühevolle Arbeit muss man neben dem großen Zeitaufwand mit Materialkosten zwischen 700 und 900 Euro rechnen. Dafür hält man eine einzigartige Kostbarkeit in Händen.

 

Die Grafenauer Goldhaubenfrauen sind natürlich auch für neue Mitglieder offen. Deshalb ist ein weiterer Kurs, in dem man sich eine eigene Goldhaube gestalten kann, bereits in Planung.

Grafenauer Goldhaubenfrauen: 19 Mitglieder, davon 7 passiv und 2 Kinder (Stand 2015)

Leitung: Sigrun Harant (seit 26. Juni 2015)

Stellvertreterin: Ingeborg Kerschbaum

Schriftführerin: Hedwig Maurer