Grafenau am Nationalpark bayerischer Wald

Grafenauer Bürgerwehr

Grafenau besitzt zwei bedeutende historische Gruppen: Zum einen die Salzsäumer, zum anderen die Bürgerwehr. Bei beiden Gruppierungen ist bemerkenswert, dass es sich nicht um eigenständige Vereine handelt, sondern um von der Stadt Grafenau unterhaltene und administrativ geführte Einrichtungen.

Die Bürgerwehr

Bereits im 18. Jahrhundert gab es, wie fast überall in Bayern, auch in Grafenau eine Bürgerwehr. Man sprach auch von einer militärischen Bruderschaft oder einer bürgerlichen Grenadiercompagnie.

Sogar nach dem 1. Weltkrieg sah man sich noch genötigt, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch Gründung von sog. Einwohnerwehren zu gewährleisten, weil die Auflagen im Versailler Friedensvertrag nach Meinung der Regierenden eine ausreichende Wehrfähigkeit nicht zuließen.

Die Idee, in Grafenau wieder eine Bürgerwehr nach historischem Vorbild zu gründen, geht bis in das Jahr 1976 zurück. Da nämlich feierte man den 600. Jahrestag der Stadterhebung, wobei auch ein großer Schützenzug Bestandteil des Festprogramms war. Angereist war u.a. die Bürgerwehr aus Villingen im Schwarzwald, die mit ihrem zackigen Auftreten die Grafenauer Verantwortlichen schwer beeindruckt hatte. Es dauerte dann aber noch 7 Jahre, bis die Vorarbeiten zur Aufstellung der Bürgerwehr begannen. Ein arbeitsloser Schneidermeister wurde im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingestellt und fertigte die Uniformen nach historischem Muster an. Als "Füsiliere" konnte der damalige Stadtkämmerer und spätere geschäftsleitende Beamte Willi Schindler die Mitglieder des Reservistenvereins Neudorf und seine Altherrenfußball-Kameraden vom Sportverein Neudorf gewinnen, die dann -  ausgerüstet mit Vorderladergewehren, Trommeln und Trompeten - Anfang 1985 erstmals zum Probeexerzieren antraten.

Kommandant war seinerzeit der damalige Leiter der Touristinformation Grafenau, Walter Müller. Vor dem ersten Auftritt am 10. Mai 1985 anlässlich eines Besuches des Stadtrates der oberösterreichischen Partnerstadt Schärding musste noch eine Prüfung für Schwarzpulverschützen vor dem Gewerbeaufsichtsamt abgelegt werden. Seit dieser Zeit bereichern die 32 Füsiliere und 14 Marketenderinnen mit ihrer wohlverstandenen Traditionspflege das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt Grafenau durch ihre Auftritte. Aber nicht nur Feriengäste, Bürgerinnen und Bürger aus Grafenau  könne sich über die historische Gruppe freuen. Auftritte im gesamten Bundesgebiet und in den Nachbarländern Österreich und Tschechien machen die Bürgerwehr zu einem bedeutenden Werbeträger für den Luftkurort Grafenau. Auch einem leibhaftigen Bundeskanzler dröhnten die Ohren, als Dr. Helmut Kohl 1986 im Rahmen einer Wahlkampfreise mit einem Ehrensalut empfangen wurde.

In einem eigens verfassten Marschlied heißt es treffenderweise: "...wenn der Pulverdampf in der Luft verfliegt, so erzittert das feindliche Heer, ja wir sind die Bürgerwehr, die Wächter von Grafenau".

Seit 2005 befehligt der Fahrlehrer Karl Lendner die städtische Truppe. Er wird unterstützt von der "Verteidigungsministerin" Karin Friedl, die als Leiterin der Touristinformation alle administrativen Fäden in der Hand hat. Heuer kann man den 30. Jahrestag der Wiedergründung feiern. Viele der Männer der "ersten Stunde" sind auch heute noch aktiv bei der Gruppe.

Damit die Traditionspflege erhalten werden kann, sind aber immer wieder Neuverpflichtungen von Füsilieren und Marketenderinnen notwendig. Wer Interesse an einer Aufnahme in die Bürgerwehr hat, muss nur einen einwandfreien Leumund und darüberhinaus eine gute körperliche Verfassung haben.

Bewerbungen sind erbeten an die Touristinformation, tourismus(at)grafenau.de

 Regelmäßige Auftritte der Bürgerwehr Grafenau bei wichtigen örtlichen Anlässen:

  • Neujahrsanschießen am 1.1. am Stadtplatz in Grafenau

  • Teilnahme am Volksfestaufzug (1. Freitag im Juli)

  • Teilnahme am Salzsäumerfest (1. Samstag im August)